WERKLEITZ
8. Werkleitz Festival AMERIKA beginnt in Halle (Saale)
Morgen beginnt das Forum zum Festival AMERIKA. Die beiden Autoren Friedrich von
Borries und Jens-Uwe Fischer lesen aus ihrem Erfolgsbuch Sozialistische Cowboys. Der Wilde Westen Ostdeutschlands (Galerie dieschönestadt, Steintor 19 in Halle, 20.00 Uhr).
Das Forum des Werkleitz Festivals besteht aus Filmen, Lesungen und Konzerten an verschiedenen Orten der Saalestadt. So zeigt das Kino Zazie am 23. Oktober den Kultfilm Grenzpunkt Null (aktueller Verleihtitel: Fluchtpunkt San Francisco) mit dem Radiotalker Rex Joswig als Gast, dessen nach dem Film benannte Radioshow (ausgestrahlt zwischen 1992 und 1998 auf DT64 und später MDR Sputnik) selbst Kult wurde (Grenzpunkt Null, 23. Oktober, Kino Zazie, Kleine Ulrichstraße 22, ab 21.00 Uhr). Ebenso beteiligt sich das mehrfach ausgezeichnete Luxkino in Halle am Werkleitz Festival. Der Format Filmkunstverleih widmet zudem ein ganzes Regal dem Thema Amerika. erikaLand
Der Standort von Werkleitz verwandelt sich in der Zeit vom 24. bis zum 26. Oktober mit der skulpturalen Großinstallation erikaLand – speziell für das Festival entwickelt – zu einem eigenen Disneyland. Verantwortlich zeichnet das Künstlerkollektiv Michael Böhler, Franz Hoefner und Harry Sachs.
Höhepunkte des Filmprogramms
Das Hauptprogramm des Festivals mit einem umfangreichen Filmprogramm beginnt dann Freitag, den 24. Oktober in der Turnhalle des Volksparks gleich neben dem Festivalzentrum im Schleifweg 6. Nach der offiziellen Eröffnung (mit US-Konsul James Seward und Dr. Thomas Hertel vom Kultusministerium des Landes) und einer Führung durch die Räume des Festivalzentrums, in denen u.a. die Ergebnisse verschiedener Workshops präsentiert werden, läuft noch am Freitag um 22.00 Uhr der selten gezeigte Klassiker Der Kuss der Mary Pickford (Sergej Komarov, Sowjetunion 1927). Eine rasante Stummfilmkomödie um den Besuch des Hollywoodstars im Paradies der Werktätigen.
Dieser Film wird live von dem Pianisten Peter Gotthardt begleitet, bekannt als Filmmusikkomponist der Legende von Paul und Paula. Ein weiterer Stargast ist die amerikanische Medienkünstlerin Amie Siegel: Zum ersten Mal in Europa wird ihr neuester Film DDR/DDR als Preview zu sehen sein (Sonnabend, 25. Oktober, 16.00 Uhr). Zum Abschluss des Festivals gibt es mit der Vorführung der Mediencollage Political Advertisement VII von Antonio Muntadas und Marshall Reese eine weitere internationale Premiere; Political Advertisement VII ist eine Augen öffnende Montage von Werbeclips der US-amerikanischen Präsidentschaftswahlen von 1952 bis heute.
Beim Werkleitz Festival laufen bis zum 26. Oktober insgesamt 42 Kurz- und Langfilme, darunter 6 Erstaufführungen. Etwa 2000 Gäste und 25 Künstler und Autoren aus der ganzen Welt werden im Rahmen des Festivals in Halle erwartet. Kuratiert wird das Festival von Daniel Herrmann, Künstler und Kurator aus Halle, und dem Berliner Filmemacher und Kurator Marcel Schwierin, der auch die künstlerische Leitung inne hat. Die Idee für das Festival hatte Marcel Schwierin vor einigen Jahren, als er in Indien Filme über Amerika präsentierte und dort auf einen massiven Antiamerikanismus traf. Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem deutschen Amerikabild vor dem Hintergrund der nahenden US-Präsidentschaftswahlen und der derzeitigen Finanzkrise machen das Festival zu einer aktuellen und hochbrisanten künstlerischen Auseinandersetzung.
Aus der Werkleitz Biennale wird das Werkleitz Festival
Ausgehend von dem Interesse, mit und durch Kunst gesellschaftliche Phänomene zu reflektieren und deren Diskussion voranzubringen, experimentiert Werkleitz seit seiner Gründung mit verschiedenen Formaten und Organisationsmodellen. Die Werkleitz Biennale war die erste Biennale Deutschlands, weltweit die erste auf dem Lande sowie die kürzeste mit maximal fünf Tagen Laufzeit. Mit jeder Biennale vergrößerten sich Etat und Zuschauerzahlen.
Deswegen traf es Werkleitz besonders hart, dass die öffentlichen freien Kulturförderetats in Deutschland in den letzten Jahren drastisch reduziert wurden.
Im Zuge dessen ist der Veranstaltungsetat bei einem Viertel des Budgets von 2004 angekommen, und Werkleitz reagiert flexibel auf diese Situation: Festival statt Biennale heißt die Devise. Eine Verkleinerung geht damit einher, dafür aber auch ein verdichteter Diskurs und eine hohe Qualität der Beiträge, die die beiden Kuratoren Marcel Schwierin und Daniel Herrmann ausgewählt haben.
15 Jahre Werkleitz
Die Werkleitz Gesellschaft wurde vor genau 15 Jahren in Werkleitz bei Tornitz gegründet und zog 2004 an den Medienstandort Halle (Saale). Der Verein widmet sich der Förderung und Realisierung von Film-, Kunst- und Medienprojekten. Durch intensive Netzwerkarbeit, eigenes Kunstschaffen der Mitglieder und Etablierung diverser neuer Projekte konnte sich die Werkleitz Gesellschaft als institutionell gefördertes Zentrum für Medienkunst in Mitteldeutschland durchsetzen.